VPB warnt vor Geschäftemachern
"Ja, haben Sie denn noch
keinen Energiepass für Ihr Haus? Dann wird es aber höchste Zeit,
schließlich ist der Energiepass seit Anfang des Jahres 2006
Vorschrift!" Der Herr vor der Tür bedrängt den Hausbesitzer und bietet
ihm auch gleich die Ausfertigung eines Energiepasses an - für rund
tausend Euro. Solche und ähnliche dubiose Angebote bekommen zurzeit
viele Hausbesitzer. Und sie reagieren verständlicherweise verunsichert:
Was hat es auf sich mit dem Energiepass? Wer braucht ihn, und vor
allem, ab wann?
"Der Energiepass, der in Zukunft übrigens korrekt "Energieausweis"
heißen wird, ist zurzeit in vieler Munde, und es kursieren allerlei
Gerüchte rund um das neue Dokument", weiß Thomas Penningh, Vorsitzender
des Verbands Privater Bauherren (VPB). Dabei gibt es "den" allgemein
verbindlichen Energiepass noch gar nicht. Was es gibt, das sind so
genannte Energiepässe aus einer ersten Erprobungsphase und solche, die
auf freiwilliger Basis beantragt wurden. "Von einer Pflicht oder
gesetzlichen Regelung gar sind wir noch ein ganzes Stück entfernt",
erläutert der VPB-Vorsitzende.
"Das hindert aber windige Geschäftemacher nicht, ihre Dienste
offensiv anzubieten. Wir wissen von regelrechten Drückerkolonnen, die
bundesweit in Einfamilienhausgebieten unterwegs sind und den
Hausbesitzern Energiepässe für tausend Euro aufnötigen". Thomas
Penningh warnt ausdrücklich vor diesen Betrügern, und er beruhigt alle
Hausbesitzer: "Zur Zeit müssen Sie gar nichts unternehmen. Warten Sie
ab, was die Regierung im Laufe der nächsten Monate beschließt", rät der
VPB-Vorsitzende, und ergänzt: "Der Energieausweis kommt 2006, aber wie
und in welcher Form, das steht noch nicht fest."
Der zukünftige Energieausweis ist das Resultat der "Europäischen
Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden", kurz EU-
Richtlinie genannt. Sie soll 2006 in allen 24 EU-Mitgliedsstaaten
umgesetzt werden. Ziel der Richtlinie ist die Energieeinsparung - denn
heute werden rund 40 Prozent der EU-weit verbrauchten Energie für die
Heizung von Gebäuden benötigt. Hausbesitzer sollen deshalb in Zukunft
für ihr Haus einen Energieausweis beantragen, in dem der
Jahresenergiebedarf des Hauses individuell berechnet und ausgewiesen
wird.
"Dies", so beruhigt VPB-Vorsitzender Penningh, "wird allerdings
zunächst nur für den Neubau gelten. Und Neubauten werden ja heute schon
nach den strengen Richtlinien der Energieeinsparverordnung geplant. Ein
neues Haus entspricht also automatisch den gesetzlichen Anforderungen
und bekommt damit auch seinen Energieausweis problemlos ausgestellt."
"Besitzer bestehender Häuser müssen jetzt erst einmal gar nichts
unternehmen", beschwichtigt Thomas Penningh verunsicherte Hausbesitzer.
"Im Bestand wird es nach den Vorstellungen des Bauministeriums keine
Pflicht zur Ausstellung eines Energieausweises geben. Erst, wenn ein
altes Haus verkauft oder neu vermietet wird, soll das Dokument
ausgestellt werden. Aber auch das ist noch nicht Gesetz."
"Der VPB befürwortet den Energieausweis sehr", erläutert der
Vorsitzende, "denn potenzielle Hauskäufer und Mieter bekommen damit
einen Richtwert für die Energiekosten eines bestimmten Objekts."
Hauseigentümern bietet der Energieausweis außerdem Anreize für die
energetische Sanierung der eigenen vier Wände: Wer ein energiesparendes
Haus hat, der muss weniger fürs Heizen bezahlen, und kann beim Verkauf
mehr erlösen als für eine Energieschleuder. "Das ist ein positiver
Ansatz", lobt Thomas Penningh.
Quelle: Verband Privater Bauherren
Baurechtsurteile.de Beitrag 493




